Haiti: Grosser Einsatz in Zeiten von Corona

Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Ein Ausbruch der Corona-Pandemie hätte für den Inselstaat fatale Folgen. HEKS setzt alles daran, dass sich die Menschen in der Region Grand’Anse vor dem Virus schützen können.

Haiti hat in den letzten Jahren viel durchgemacht. Im Jahr 2010 das schwere Erdbeben, darauf eine verheerende Cholera-Epidemie. 2016 richtete Hurrikan Matthew Zerstörung an, ganz zu schweigen von den Dürren und Überschwemmungen, die den Inselstaat regelmässig heimsuchen.

Diese Extremereignisse treffen auf ohnehin schon schwache Strukturen. Über 4 Millionen Menschen sind derzeit von einer unsicheren Ernährungslage betroffen. Etwa 60 Prozent der Haitianer leben unterhalb der Armutsgrenze. Ein Ausbruch der Corona-Pandemie in diesem Land, dessen Ausgaben in den öffentlichen Gesundheitssektor zu den niedrigsten der Welt gehören und wo auf 10'000 Menschen gerade mal zwei Ärzte kommen, wäre fatal.

Sensibilisieren und den Puls der Bevölkerung fühlen

Das HEKS-Koordinationsbüro in Haiti hat schnell reagiert und bereits Ende März erste Aktivitäten gestartet. Es wurde beschlossen, mit denselben Bevölkerungsgruppen zu arbeiten, auf die die laufenden HEKS-Projekte bereits abzielen. «Unser Ziel ist es, zur Verhinderung der Ausbreitung des Corona-Virus und zum Schutz der lokalen Bevölkerung in unserer Projektregion Grande’Anse beizutragen», erklärt HEKS-Mitarbeiter Evins Auguste.

Innert kürzester Zeit hat HEKS über 100 Plakate produzieren lassen, die die Bevölkerung über das Virus und über Verhaltensregeln zur Prävention informieren. Die Plakate wurden in den Gemeinden, in denen HEKS tätig ist, ausgehängt. Zur weiteren Sensibilisierung der Bevölkerung in der Region Grande’Anse wurden Radiosendungen produziert, die an die wichtigsten Hygienemassnahmen erinnern. Diese werden viermal wöchentlich über lokale Radiostationen in der ganzen Region ausgestrahlt. 

Ausserdem hat das HEKS-Büro einhundert Personen aus seinen Projekten als AnsprechpartnerInnen bestimmt. Dabei kann es sich um Gemeindevorsteher, Lehrer, Gesundheitsarbeiter oder Mitglieder in Elternvereinigungen handeln. Ihre Aufgabe ist es, zu überprüfen, ob vorbeugende Massnahmen zum Schutz gegen das Virus getroffen werden, ob Trinkwasser und Seife verfügbar sind und wie es um die Ernährungssicherheit der Menschen bestellt ist. Die Informationen werden regelmässig von Evins Auguste zusammengetragen.

«Um so gut wie möglich reagieren zu können, wollen wir trotz der Bewegungseinschränkungen die Situation der Bevölkerung selbst beurteilen, indem wir wöchentlich Kontakt mit unseren Ansprechpersonen haben. Die zusammengetragenen Informationen ermöglichen es uns, weiterhin den Puls der lokalen Bevölkerung zu fühlen und die jeweils geeignetsten Massnahmen zu treffen.»

Das schwere Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 machte 1.3 Millionen Menschen obdachlos.

Das schwere Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 machte 1.3 Millionen Menschen obdachlos.

HEKS hat drei Nähwerkstätten mit der Herstellung von vorerst 10’000 Schutzmasken beauftragt. 

Die produzierten Masken werden an Spitäler und anderen Einrichtungen, die diese dringend benötigen, gespendet.

Masken zum Schutz vor dem Virus

Von Anfang an klar war, dass es in der Region am nötigen Schutzequipment fehlt, vor allem an Gesichtsmasken. HEKS hat daher drei Nähwerkstätten in der Grand’Anse mit der Herstellung von vorerst 10’000 Schutzmasken beauftragt. Die produzierten Masken werden dann an Spitäler und anderen Einrichtungen, die diese dringend benötigen, gespendet.

Mac Donald Germeil und seine Frau leiten eine der Nähwerkstätten in Jérémie: «Ende März wurden meine Frau und ich von HEKS kontaktiert, weil sie NäherInnen suchten, die mit der Herstellung von Schutzmasken beginnen sollten. Wir haben sofort reagiert, weil Schutzmasken in Haiti angesichts des Coronavirus sehr wichtig sind. Die Gesundheitsdienste sind so schlecht, dass es besser ist, nicht krank zu werden! Seit die ersten Corona-Fälle im Land vermeldet wurden, ist die Nachfrage nach Schutzmasken rasant gestiegen. Hier in Jérémie ist es fast unmöglich, Masken zu finden. Aus diesem Grund wird diese Initiative zur lokalen Herstellung wirklich sehr geschätzt.»

Germeil und seine Frau übergeben einem HEKS-Mitarbeiter die Masken, die sie im Laufe der Woche produziert haben.

«Wir sind stolz, dass wir HEKS helfen können, das Spitalpersonal in der Region mit Masken auszurüsten. Und wir sind bereit, weiterhin so viel wie nötig zu produzieren!»

Die Bevölkerung ist froh um die Informationen.

Die Bevölkerung ist froh um die Informationen.

Der Peak steht noch bevor

Die bisherigen Rückmeldungen aus der lokalen Bevölkerung seien bisher insgesamt sehr ermutigend, sagt Evins Auguste: «Die Informationen kommen an, die Menschen sind sich der Risiken bewusst. Dazu muss ich sagen, dass die haitianische Bevölkerung leider bereits schwere Epidemien erlebt hat, wie die Cholera-Epidemie im Jahr 2010.».

Nichtsdestotrotz seien die Risiken eines Ausbruchs der Corona-Pandemie in Haiti keinesfalls zu unterschätzen: «Die Gesundheitsdienste sind mangelhaft, auch der Zugang zu ausreichend sauberem Wasser. Die Preise steigen stark an, und in einigen Gebieten könnte eine Dürre die Ernten gefährden. Zudem nimmt die Unterstützung aus der haitianischen Diaspora ab. Die Auswirkungen dieser globalen Krise könnten die Notlage der abgelegenen Bevölkerungsgruppen, die bereits so weit von der Grundversorgung entfernt und so verletzlich sind, durchaus verschlimmern.»

Während viele Länder mit den Folgen einer ernsthaften Ausbreitung des Corona-Virus schwer zu kämpfen hätten, so würde sich Haiti möglicherweise nie von einer solchen Ausbreitung erholen.

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