Im grössten Flüchtlingslager der Welt

Flüchtlingslager Bidibidi, Uganda

Wegen der anhaltenden Konflikte im Südsudan sind bereits mehr als eine Million Menschen ins Nachbarland Uganda geflüchtet. HEKS leistet Humanitäre Hilfe in Bidibidi, Uganda, einem der grössten Flüchtlingslager der Welt.

Die Opfer des Krieges im Südsudan haben alles verloren.

Im Oktober 2016 flüchtete Monika Luba mit neun Familienmitgliedern vor den Kämpfen im Südsudan. Sie brauchten zwei Wochen bis zur ugandischen Grenze und mussten dort zwei weitere Wochen warten, bis sie von den ugandischen Behörden und vom Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) als Flüchtlinge registriert und anerkannt wurden. «Das waren die längsten Wochen meines Lebens», berichtet Monika. «Ich hatte Angst, man würde uns zurückschicken, und machte mir Sorgen um unsere Zukunft. Gleichzeitig musste ich immer daran denken, was man uns im Südsudan angetan hatte.» Schliesslich erreichte die Familie, erschöpft und müde, das ugandische Flüchtlingscamp Bidibidi.

«Über eine Million Menschen fanden Zuflucht in Uganda.»

Drei Monate zuvor war im Südsudan der Bürgerkrieg wiederaufgeflammt. Mit ihm waren auch die Massaker und die Vergewaltigungen zurückgekehrt und eine Hungersnot breitete sich aus. Dass seither so viele Menschen geflüchtet sind, erstaunt deshalb kaum. Über eine Million Menschen fanden Zuflucht in Uganda, 430’000 in Äthiopien, 115’000 in Kenia, 765’000 im Sudan und 95’000 im Kongo. Weitere knapp zwei Millionen Menschen wurden zu Vertriebenen im eigenen Land. Noch immer passieren monatlich 500 Flüchtlinge die Grenze. 4400 waren es auf dem Höhepunkt der Krise im März 2018.

Im Flüchtlingscamp Bidibidi leben mehr als 230'000 Flüchtlinge.

Im Flüchtlingscamp Bidibidi leben mehr als 230'000 Flüchtlinge.

«Wir hatten eine Woche lang kein Wasser, und Toiletten gab es auch nicht.»

Bidibidi, das weltweit grösste Flüchtlingscamp, liegt in der Halbwüste von Uganda im Niemandsland. 230’000 Menschen leben auf 250 Quadratkilometern. «Unsere ersten Tage im Camp waren extrem entmutigend. Wir hatten eine Woche lang kein Wasser, und Toiletten gab es auch nicht. Unsere Notdurft mussten wir im Freien verrichten. Alles war derart verdreckt oder in einem so schlechten Zustand, dass wir an Durchfall und Malaria erkrankten», erzählt Monika.

Im Mai 2017 startete HEKS gemeinsam mit seiner Partnerorganisation ACORD ein Nothilfeprojekt in Bidibidi und begann, in ausgewählten Dörfern des Camps öffentliche Latrinen für die Gesundheitszentren und Schulen zu errichten und die Menschen mit sauberem Wasser zu versorgen. Davon sollen 62’000 der insgesamt 106’000 Menschen profitieren, die in diesen Dörfern leben, und zwar sowohl Flüchtlinge als auch Einheimische.

Zudem stellt ACORD 200 Familien, die eine eigene Latrine bauen möchten, das dafür nötige Material zur Verfügung. 200 sind bereits fertig gebaut.

Die meisten Flüchtlinge sind sich nicht gewohnt, sanitäre Anlagen zu benutzen. ACORD hat darum bereits zehn junge CampbewohnerInnen, die lesen und schreiben können, in Hygienethemen geschult. Diese sensibilisieren die anderen CampbewohnerInnen dafür, wie wichtig Toiletten für die Vermeidung von Krankheiten sind. Monika ist eine von ihnen. Weil es viel einfacher ist, die Gewohnheiten von Kindern als von Erwachsenen zu ändern, bringen die HygienepromotorInnen die wichtigsten Verhaltensregeln Kindern im Alter von fünf bis zwölf Jahren bei.

HEKS baut öffentliche Latrinen für 28'000 Menschen.

HEKS baut öffentliche Latrinen für 28'000 Menschen.

An einigen Stellen liegt das Grundwasser 200 Meter tief.

ACORD plant ausserdem, sechs Wasserlöcher für die Bereitstellung von Trinkwasser zu bohren. Zudem werden 14 bereits vorhandene Bohrlöcher instand gesetzt. An einigen Stellen liegt das Grundwasser 150 bis 200 Meter tief und die Wasserlöcher müssen mit schwerem Gerät gebohrt werden. «Diese Arbeiten sind sehr kostspielig. Und wenn wir Pech haben, ist das Wasser verunreinigt und die Suche nach einer neuen Bohrstelle beginnt von vorn», sagt David Boyes. ACORD installiert zwei Solarsysteme, die die Pumpe zum Wasserschöpfen antreiben. Anschliessend wird das Wasser über höherliegende Becken und ein Leitungsnetz zu den Dörfern transportiert, wo es über Zapfsäulen bereitsteht.

CampbewohnerInnen schöpfen mit der Handpumpe Wasser aus einem neu gebauten Brunnen.

CampbewohnerInnen schöpfen mit der Handpumpe Wasser aus einem neu gebauten Brunnen.

«Indem wir auch die Einheimischen unterstützen, beugen wir Konflikten vor.»

Von der Nothilfe von HEKS profitieren nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch die Einheimischen. So kommt von der Unterstützung und der bereitgestellten Infrastruktur 70 Prozent den Flüchtlingen und 30 Prozent der Gastbevölkerung zugute. «Diese Quote ist zum Standard in der Humanitären Hilfe in Uganda geworden», erklärt Valentin Prélaz, Programmbeauftragter bei HEKS. «Die Flüchtlinge schneiden Äste von den Bäumen, versorgen sich mit Wasser und stören das Gleichgewicht innerhalb der Gemeinde. Indem wir auch den Einheimischen die bereitgestellte Infrastruktur zugänglich machen, bieten wir eine Art Entschädigung an und beugen Konflikten vor.»

Mit schwerem Gerät wird ein Brunnen gebaut.

Die Brunnen kommen auch den Einheimischen zugute.

Mit schwerem Gerät wird ein Brunnen gebaut.

Die Brunnen kommen auch den Einheimischen zugute.

«Der Brunnen ist wichtiger als der kleine Acker!»

Mohammed lebt mit seiner Familie im Dorf Kui. Das Dorf ist nach dem gleichnamigen Fluss in der Nähe benannt, dessen einzige saubere Quelle fünf Kilometer entfernt liegt. ACORD wählte dieses Dorf mit 445 EinwohnerInnen für den Bau eines Brunnens aus, als Entschädigung für den Schaden, den der Flüchtlingsandrang in der Region verursacht hat. «Als die Ingenieure kamen und uns über den Brunnen informierten, ging für uns ein Traum in Erfüllung», erzählt Mohammed. «Wir gründeten ein Wasserkomitee, das bei der Suche nach dem besten Standort helfen sollte, und fanden ihn in meinem Maisfeld. Doch das war mir egal, denn der Brunnen ist für meine Familie viel wichtiger als der kleine Acker!»

Auch die anderen DorfbewohnerInnen freuen sich sehr auf den Brunnen. Denn seit die Flüchtlinge ihre Notdurft am Fluss verrichten und ihr Vieh dort tränken, leiden die DorfbewohnerInnen an Durchfall. Über 300 Menschen wird das Trinkwasser dauerhaft zugutekommen. Damit die Wasserpumpe auch längerfristig funktioniert, wird das Komitee in der Instandhaltung geschult, und die Menschen werden für richtiges Hygieneverhalten sensibilisiert.

Letzte Aktualisierung: Oktober 2019

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